Guter Wein wird mit dem Alter immer besser, aber gilt dieser Leitspruch auch für Reben? Wer gerne einmal einen edlen Tropfen trinkt, der wird immer wieder über den Begriff der „alten Reben“ stolpern, die von Weingütern als Qualitätsmerkmal angepriesen werden, wie man beispielsweise bei dem Brazin Old Vine Zin bereits am Namen erkennt. Doch was ist da dran, sind Weine von alten Reben besser oder handelt es sich hierbei um einen weit verbreiteten Mythos?

Ab wann sind Reben eigentlich „alt“?

Der Gedanke an alte Reben wird sofort mit einem klaren Bild in Verbindung gesetzt. Knorrige, ausgeprägte Exemplare mit Wurzeln, die tief in das Erdreich vordringen und sich dort durch die verschiedenen Schichten von Kalk, Lehm und diversen anderen Materialien bohren, um ihnen dann die Nährstoffe zu entziehen. Ab wann eine Rebe jedoch als alt definiert werden kann, ist nicht klar definiert und es existieren zu dieser Vorgabe auch keine gesetzlichen Regelungen. Für gewöhnlich endet der Zyklus eines Exemplars nach etwa 30 bis 40 Jahren, im besten Fall sogar 60. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, wie etwa einige Rebstöcke an der Mosel, bei denen ein erstaunliches Alter von 130 Jahren festgestellt werden konnte. Daraus lässt sich ableiten, dass eine Rebe ab etwa 30 Jahren als alt zu bezeichnen ist.

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Alte Reben vs. Junge Reben – Was macht den Unterschied?

Der Wein von jungen Reben besitzt viel Frische und Charme, sie sind des Weiteren im Allgemeinen leichter zugänglich. Bei den Erträgen von älteren Pflanzen offenbart sich jedoch eine ganz andere Komplexität, was nicht zuletzt daran liegt, dass diese mit ihrem Wurzelwerk bereits tiefer in das Erdreich vorgedrungen sind und dort vermehrt Mineral- und Nährstoffe aufnehmen können. Durch diesen Umstand sind die heranreifenden Trauben reicher an einem ausgewogenen Zucker-Säure-Verhältnis und können auch mit einer größeren Aromenvielfalt aufwarten. Dazu kommt noch der Umstand, dass die Produktivität von Rebstöcken ab dem 20. Lebensjahr abnimmt und auch der Ertrag zurückgeht. Diese Entwicklung stellt die Ursache für hochwertige Weine von alten Reben dar, denn je weniger Früchte an den Stöcken hängen, umso höher ist deren Qualität.

Unser Fazit

Die Behauptung, die Weine von alten Reben seien besser, ist keinesfalls nur ein weit verbreitetes Gerücht. Tatsächlich hat das Alter der Rebstöcke eine klare Auswirkung auf die Qualität der edlen Tropfen, die aus ihren Früchten gewonnen werden. Allerdings bedeutet das nicht automatisch, dass junge Reben keine guten Weine hervorbringen könnten. Sie bergen lediglich ein anderes Potential und lassen sich ebenso gut genießen, wie ihre älteren Kollegen. Zudem ist ein alter Rebstock auch keine Garantie für einen hervorragenden Tropfen, da bei der Weinherstellung eine Vielzahl an Komponenten zusammenkommt und nicht alles alleine an der Rebe hängt.

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